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| 21.04.2007 |
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LESEN! Pål H. Christiansen: Die Unordnung der Worte
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Pål H. Christiansen: Die Ordnung der Worte
Es gibt ja nich mehr wirklich viele neue Bücher, die einen so einen sprachlos machen vor Freude. Dass nun ausgerechnet der norwegische Roman Die Unordnung der Worte von Pal H.Christiansen bei mir für wunderbarste Erheiterung gesorgt hat, damit hätte ich ja nun so auch nich gerechnet. Und es wird wohl auch nich daran liegen, dass die Übersetzerin bei ihrer Arbeit den Schalk im Nacken hatte. Dabei hat mich der angerissene Inhalt erst mal alles andere als interessiert: ein Norweger steht kurz vor dem Nobel Preis für Literatur, kriegt aber seinen Roman über einen Nistkasten-Bauer nich hin.
Hm. Ja und? Genau, hab ich auch gedacht. Ja und dann hab ich doch noch mal weitergelesen. Statt an seinem Roman zu schreiben, wird Hobo Highbrow von seiner Freundin Helle verarscht, Unbekannte klauen ihm den Schreibtisch und er verliert seinen Job. Der Nobel Preis Kandidat verdient nämlich genaugenommen gar nich als Schriftsteller seinen Unterhalt sondern als Lektor bei nem Klatsch Magazin. Arbeitslos geworden, geben ihm nur noch ein norwegisches Wörterbuch, die Kneipe "4 Hühner" und die Musik von A-Ha ein bisschen Halt. Es dauert nich lang und der geneigte Leser erfährt sein ganz eigenes A-Ha! Erlebnis: Hobo Highbrow is nämöich alles andere als ein armes, arbeitloses, bemitleidenswertes Schreiberlein. Im Gegenteil: er ist arrogant, aufgeblasen, rechthaberisch und total unzuverlässig - aber immer sind die anderen Schuld an seinen bizarren Niederlagen.
Die Selbstverständlichkeit, mit der Pal H.Christiansen die immer skurriler werdende Handlung in Gang hält, hat einen wunderbaren Charme und ist fast durchgehend ganz schön (bösartig) lustig. Den grössten Teil zur Komik trägt nämlich die Ich-erzählende Haupt-Figur bei, die in ihrer Weltfremdheit nich sehen will, was alle anderen ringsum - inklusive der Leser - längst wissen. Aber das wäre jetzt vielleicht doch zuviel verraten.
Pål H. Christiansen Die Ordnung der Worte Roman, 224 Seiten Rockbuch Verlag € 14.90
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LESE PROBE
Es klingelte an der Tür. Ich blieb sitzen. Wenn ich überhaupt Hoffnung haben sollte, etwas Bedeutendes für die Menschheit fertig zu bringen, konnte ich nicht für jeden hergelaufenen Würstchenboten zu sprechen sein. Ich nahm mir einen Bleistift und spitzte ihn lange und sorgfältig. Ich fragte mich, ob Hemingway die Tür zu öffnen pflegte, wenn er schrieb. Vermutlich nicht. Aber in diesem Fall fehlte es mir, ehrlich gesagt, an gesicherten Erkenntnissen. Ich wusste nicht einmal, wie verbreitet Hausklingeln nach dem Ersten Weltkrieg gewesen waren, ob man nicht eher Türklopfer benutzt oder sich ganz einfach an die althergebrachte Methode gehalten hatte, ein oder mehrere Fingerknöchel gegen die Tür zu richten und loszupochen in der Hoffnung, Gehör zu finden. Jetzt hörte ich plötzlich ein Kratzen am Briefschlitz. Ich sprang auf und ging zur Tür. Die Leute wurden heutzutage immer dreister, und hier stand ja wohl ein teuflisch dreister Kriecher auf meiner Schwelle, der nicht verstand, dass nein nein hieß. Ich riss die Tür auf und blinzelte auf den Flur. Helle beugte sich zu meinem Briefschlitz, um einen Umschlag hineinzustecken. Eine aufdringlich intime Handlung, so kam es mir vor. Obszön, dieser Mangel an Respekt vor mir und meinem Eigentum. »Das ist privat hier«, sagte ich. Helle richtete sich mit fragendem Blick auf, die eine Hand im Kreuz, als wäre sie eine alte Schachtel, die schon viel zu viele Jahre auf einer schlechten Matratze schlief. »Du bist da?« sagte sie. »Wo sollte ich sonst sein?« fragte ich zurück. »Bei der Arbeit«, sagte Helle. Wenn sie solche Kleinigkeiten so genau wusste, wie, ob ich in der Akersgate arbeitete oder zu Hause oder auf dem Mond von mir aus, dann sollte sie da mal vor ihrer eigenen Türe kehren. »Ich bin enttäuscht, dass du so bluffst«, sagte ich. »Wie meinst du das?« sagte Helle. »Das weißt du genau«, sagte ich, »sagt dir der Name Bull irgendwas?« Helle versuchte, einen Blick in die Wohnung zu werfen. Ja, hier war ja so einiges passiert, seit sie das letzte Mal dagewesen war. Sie sollte sich gerne satt sehen, bevor ich das Verhör fortsetzte. In der Zwischenzeit sah ich sie mir genauer an, wo sie gerade so dicht vor mir stand. Sie war blass, sah einfach schlecht aus, richtig schlecht! So ergeht es einem, wenn man Nacht für Nacht rumhurt und nicht genug Wasser trinkt, dachte ich. »Meinst du Olaf Bull?« fragte Helle. »Zum Beispiel«, sagte ich. »Es ist richtig, dass es noch weitere aus dem Geschlecht der Bulls gibt. Wir kennen Brynjulf Bull und Trygve Bull, um nur einige zu nennen.« Ein neuer Zug zeigte sich auf Helles Gesicht. Sie wollte irgendetwas von mir, aber ich war noch nicht fertig, noch lange nicht. Und plötzlich sah ich, dass sie einen Ring trug, den ich noch nie an ihr wahrgenommen hatte. Er war ziemlich dünn und glatt und erinnerte an einen Verlobungs- oder Ehering. Die Liebe schritt in Siebenmeilenstiefeln voran, soviel begriff ich. »Du hast neulich behauptet, ›Sommers Schiffbruch‹ stünde in Neue Gedichte. Das ist grober Unfug«, sagte ich, »mich mit so was anzulügen!« Ich merkte zu meiner Überraschung, dass ich Tränen in den Augen hatte. Wo kamen die her? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das war jetzt ganz klar. »Kann ich mich hinsetzen?« fragte Helle. »Unmöglich«, sagte ich, »irgendwer hat mein Sofa geklaut. Außerdem bin ich am ARBEITEN.« »Ich muss dir was sagen«, sagte Helle. »Schon klar, schon klar«, sagte ich. »Kommst du bald nach Hause?« fragte Helle. »Nach Hause?« sagte ich, »als Künstler bin ich in meinem Körper zu Hause. Du triffst mich da, wenn es mir passt. Heute habe ich geschlossen.« Mir gelang es, sie hinauszuschieben, und ich knallte die Tür hinter ihr zu. Um ganz sicherzugehen, legte ich die Kette vor, und dann wollte ich an die Arbeit zurückkehren. Im Flur lag allerdings der Brief auf dem Fußboden, den Helle in den Schlitz gesteckt hatte. Obwohl ich wusste, was darin stand, zögerte ich, ihn zu öffnen. Die Wahrheit im Stillen zu wissen, das war das eine – sie in offenen Worten ins Gesicht geschleudert zu bekommen, war etwas ganz anderes. Worte? Wenn es um Lesestoff ging, war ich einfach unstillbar neugierig. Ich hatte überaus Lust, den Brief zu öffnen, um herauszufinden, wie Helle sich ausgedrückt hatte. Wenn ihr zum Beispiel leider ein winziger Fehler unterlaufen wäre, könnte ich mich immerhin daran ergötzen; das könnte ich dann gegen sie verwenden, falls wir uns irgendwann auf der Straße oder beim Einkaufen begegneten. »Es geht dir also schlecht«, würde ich sagen. »Wie kommst du darauf?« würde sie sagen. »Du schreibst auf einmal ›schade‹ mit ›h‹.« »Tu ich nicht!« würde sie protestieren. »Tust du doch!« würde ich sagen. Und dann würde ich einfach lächeln und sie so stehen lassen, verwirrt und ängstlich auf dem Bürgersteig oder zwischen Ladenregalen, und ich würde zu mir und meinem bevorstehenden literarischen Durchbruch nach Hause gehen.
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| verfasst von: TORGEN am 21.04.2007
um 16:44 Uhr |
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| Kommentare |
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| Gela |
08.05.2010 20:40 |
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Lieber Torgen - an dieser Stelle möchte ich Dir ein Kompliment für Deine Sendung, Deinen Musikgeschmack und Deine Moderation machen ... bleib wie Du bist - Du bist echt stark ....
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| Katrin |
22.04.2010 21:34 |
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Könntest Du das Interview mit Boy George auch auf der Website oder im YouTube einstellen? Habe es leider am Montag verpasst.
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| Sabine |
24.03.2010 12:08 |
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Torgen was bis du männlein ? dann benimm dich auch so!du Tunte
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| Tim |
29.06.2009 09:29 |
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Lieber Torgen, Ich habe eine Frage an Dich. Du kennst dich doch aus mit Musik. Ich bin seit langen ein großer Fan von Stock Aitken Waterman, früher hieß es das in London und in Manchaster ein Laden gibt von denen. Weist Du ob das stimmt?
In Deutschland bekommt man nichts mehr von denen.
Ich würde mich über eine Antwort von Dir freuen.
Lg
Tim
timmii72@live.de
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| Petra |
23.03.2009 06:22 |
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Ich habe eben deinen Bericht über Jade Goody gesehen. Sorry, das war unterirdisch.
1)ihr Mann sitzt nicht im Gefängnis, er ist unter Auflagen draußen.
2) Jade's Kinder sind nicht bei der Mutter. Die Kinder sind aus einer früheren Beziehung und demzufolge bei ihrem Vater.
Ein bisschen mehr Recherche bitte...
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| Michael Fritzel |
22.12.2008 06:05 |
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ich habe gerade dein gespräch mit nadien gesehen und würde gerne von dir eins der vorgestellten geschenke bekommen
michael fritzel
obereschbacherstr.78
61352 bad homburg
danke und schöne weihnachten
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| Katrin |
23.04.2007 20:10 |
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Das ist ja nun mal was ganz anderes...Kompliment lieber Torgen, mittlerweile schaue ich mir nicht nur wegen deiner erfrischenden Art "Torgen am Morgen" an, nein, jetzt werd ich auch noch "dein Buch" lesen müssen-du hast mich neugierig gemacht - außerdem bin ich großer Norwegenfan und du hast denselben Nachname wie mein Idol Helge :o) , das ist ein gutes Omen.....
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